13. Oktober 2012

this is endless

"Bis später!" Sie lächelt mir zu und wird dann plötzlich ernst. "Mach keinen Scheiß. Bitte." Ich nehme neine Tasche und wende mich zur Tür. "Mach ich nicht. Versprochen!" Sie lacht und geht links den Gang hinunter. Ich wende mich nach rechts und versuche, mich in den Griff zu bekommen. Die Wahrheit is, ich weiß nicht, ob ich nicht etwas sagen oder tun werde, was ich danach bereue. Ob ich nicht die Kontrolle verlieren werde, ob ich keinen Scheiß mache. Ich weiß es nicht. Und diesmal ist es kein hitziger Adrenalinstoß, der mich durchfährt. Mich packt die kalte Angst, ich spüre, wie ich panisch werde. Auf den Treppenstufen nach unten stolpere ich beinahe, weil sich meine Beine nur noch automatisch bewegen. Abrupt bleibe ich stehen. Ich muss mich zusammenreißen, bin ich denn des Wahnsinns? Es ist doch nur ein harmloses Gespräch, und reden kann ich. Urplötzlich packt mich das Fieber des Rausches wieder, für zwei Sekunden erhellen die Flammen mein Dasein und ich weiß wieder, wer ich bin und wo ich hingehöre. Ich setze mich wieder in Bewegung, diesmal mit erhobenem Kopf und sicheren Schritten. Ich lasse mich nicht einschüchtern, nicht hier und heute. Schon von weitem sehe ich seine rote Jacke und ein Lächeln breitet sich auf meinem Gesicht aus. Ich habe das Spiel mit dem Teufel begonnen und es fühlt sich wahnsinnig gut an.

Zwei Stunden später verabschiede ich mich von ihm, nach zwei Stunden, gefüllt mit Lachen und Reden. Als ich den Klassenraum betrete und mich setze, fühle ich mich, als wäre ich im Rausch. Ich habe keinen Scheiß gemacht, ich habe die Kontrolle behalten und ich habe diskutiert. Über Gott und die Welt. Wann hatte ich das letzte Mal eine solch ausführliche Diskussion? Es muss lange her sein, und nur wenige Menschen sind fähig, mit mir Schritt zu halten. Er kann es. Ich kann es nicht beschreiben, nicht auf Deutsch, nicht auf Englisch und auch nicht auf Französisch. Es ist nicht der Himmel auf Erden. Den habe ich nie gesucht.
Es ist das Gefühl, als gäb's kein morgen mehr, als würden hier Himmel und Hölle auf Erden zusammentreffen, ein Gefühl wie eisiges Feuer, wie barfuß im ersten Schnee zu laufen oder wie ein Rückwärtssalto vom Apfelbaum, es ist unendlich und vergänglich im selben Moment, es ist der Wunsch nach mehr und die Vorstellung von weniger.

2 Kommentare:

  1. das klingt so wunderbar.
    und irgendwie ziemlich nach mir.
    'es ist der himmel auf erden. den hab ich nie gesucht'- du bist ein wunder.
    und du verdienst das glück so sehr.

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  2. toll geschrieben! :))
    Werde dir gleich mal folgen, wenn du magst kannst du mir ja auch folgen :* ♥

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