6. Dezember 2012

revenir

Ich sitze im Auto neben meiner Mutter, die unaufhörlich redet, meine Finger trommeln nervös auf meiner Tasche herum. In - ich schiele auf die Uhr am Armaturenbrett - zwanzig Minuten werde ich sie alle wiedersehen, die, die ich sechs Wochen lang vermisst habe. Und in zwanzig Minuten werde ich ihn wiedersehen, ihn, den ich jetzt meinen Freund nennen kann. Das Lächeln auf meinem Gesicht vertieft sich, und ich spüre, wie sich die Aufregung durch meine Adern frisst.
Endlich an der Schule angekommen, laufe ich zum Musiksaal. Dort schmeiße ich meine Tasche vor die Tür und texte erst einmal meine beste Freundin zu, mit der einfach alles ist wie sonst auch. Sie fragt mich gerade über die Highschool aus, als sie grinsend zur Glastür vor dem Treppenhaus deutet. Mir bleibt das Herz stehen, aber es ist nur der Lehrer, der den ganzen Austausch organisiert hat, mehr schlecht als recht. Ich stoße sie in die Rippen. "Schock mich nicht so!" Aber sie lacht nur und fragt weiter. Kurz bevor die anderen alle auftauchen, unterbricht sie mich und sagt: "Schau mal, wer da kommt! Und ich warn dich schon mal vor, diesmal ist er es wirklich."
Sein unverkennbares Grinsen, als er die Tür öffnet, ein bisschen verlegener als sonst. Mein Puls schnellt in die Höhe, auf eine Frequenz, bei der ein normaler Mensch wahrscheinlich schon längst gestorben wäre, aber ich bin nicht normal, nicht hier und heute. "Hi, schön, dich auch wieder mal zu sehen!", sagt er und ich falle ihm einfach um den Hals, weil er mich um den Verstand bringt. Sein Duft so nahe bei mir, seine Haut auf meiner, es macht mich wahnsinnig. Ich schließe die Augen und hoffe, dass dieser Moment noch ewig andauern wird, weil ich es einfach nicht glauben kann.

- simply wonderful -

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