Ich sehe auf die Uhr, 22:43. Noch knapp 20 Minuten, denke ich seufzend, beuge mich wieder über die Blätter, die kreuz und quer verstreut auf dem Schreibtisch liegen. Das Kratzen des Füllers ist plötzlich unerträglich laut, das einzige Geräusch, das weit und breit zu hören ist. Musik. Ich brauche Musik. Paul Kalkbrenner. Schnappe mir die CD, lege sie ein -wieso ist das eigentlich eine CD, wo ich doch alles andere längst nur noch auf USB habe? - lausche den Tönen, die sich langsam einen Weg durch den Raum bahnen. Ich schreibe weiter, fieberhaft. Arbeite an meiner Geschichte, Seite für Seite füllt sich, es ist alles in meinem Kopf. Ich muss es nur noch aufs Papier bringen. Seite achtzehn, neunzehn, zwanzig. Bei zwanzigeinhalb klingelt mein Handy, sind die zwanzig Minuten schon um? Die Stimme meiner besten Freundin, anscheinend sind sie vorbei. Ich grinse. "Was machst du?" "Ich hock hier mit zwei unfertigen Gedichten und zwanzig Seiten Geschichte. Und jetzt hab ich beschlossen, ich muss irgendwas fertigmachen. Ich will das Zeug einschicken." Ich höre ihr Erstaunen und muss lächeln. "Einschicken? Wohin denn?" "Das weiß ich selber noch nicht genau. Zu einem Literaturwettbewerb, oder an einen Verlag, mal sehen. Ich will irgendwas damit machen, weißt du. Seit Jahren hocke ich hier an diesem Schreibtisch, fast jeden Tag, und kritzel an irgendwas rum, das muss sich doch effektiv auch machen lassen. Mir Ergebnis, meine ich." Ich kann ihr Grinsen fast hören. "Schlauer Gedanke. Ich hab dir doch gesagt, als du mir das erste Gedicht gezeigt hast, du schreibst total tiefgründig. Das wollen viele lesen, heutzutage. Und wenn du noch mal etwas Sarkastisches zusammenbringst, so wie die Liste über Amerika, das reißen sie dir aus den Händen!" Ich muss lachen. "Du hörst dich an, als wärst du mein Manager oder so!" "Ich mein das ernst", sagt sie. "Du schreibst viel. Irgendwie glaube ich, du schaffst dir damit eine zweite Wirklichkeit. Eine, in die du dich fliehen kannst. Wenn du schreibst, du schreibst, wenn du nicht mehr weiterweißt, wenn dir alles zuviel wird, dann schreibst du. Und dann kommst du zurück in die Realität mit klarem Kopf. Dann weißt du, was du willst. Und ich glaube, dass das jeder kann, wenn er liest, was du schreibst. Es gibt so viele, die können nicht selbst schreiben. Sie können nur lesen. Und du schenkst ihnen etwas Unglaubliches mit deinen Texten." "Das kann nicht stimmen, nie und nimmer. Aber danke. Danke, danke, danke. Du schenkst mir gerade etwas Unglaubliches, das weißt du doch?" "Ja. Du hast es verdient."
natürlich hast du es verdient.
AntwortenLöschenund trotzdem: sei froh, so froh, dass du jemanden wie sie hast, der worte wie diese sagt und ernst meint.
das ist ein geschenk.
ich weiß nicht ob ich rebellischer bin, aber ich bin auf einmal ein menschen-mensch und ein bisschen mehr grenzen-mensch. ich teste mehr aus. das ist gut, denke ich.
ich würde trotzdem nicht sagen, dass ich mich verändert habe. ich denke, ich habe mich entwickelt.
ich wünsche dir ein wunderschönes jahr 2013.
Lina♥