Meine Englischlehrerin teilt weiße Blätter aus und mustert mich, wie ich demonstrativ langsam einen Bleistift aus meinem Federmäppchen nehme. "Write down some sentences what being a girl or being a boy means to you." Gar nicht so dumm, die Aufgabe, denke ich und schnell merke ich, dass mir diese Aufgabe ziemlich viel Stoff zum Nachdenken bietet. Wer bin ich? Bin ich ein typischen Mädchen?
Langsam beginne ich zu schreiben. Ich beginne mit dem Klischees, und dann mit meiner Meinung dazu. Und als ich schließlich den Zettel wieder abgebe, hat mein Text "some sentences" deutlich überschritten. Scheiß drauf.
Zielstrebig zieht die Lehrerin mein Blatt aus dem Stapel. Ich wusste es. "Apparently someone who likes to write!" Ich verdrehe nicht als Einzige die Augen und sie beginnt vorzulesen.
"Being a girl means being nice, looking good. Girls have to show their emotions, they have to be vulnerable but strong. They are more passive and less tough than boys.
We all know these stereotypes. But are they true? For me, they are not. Not all of them. Yes, my appearance is important for me and sometimes I have to show my feelings. But often I don't. I'm not the emotional type, I often think rather realistic. And if I don't want to, I'm not at all nice because I don't have to be nice to everybody just because I'm a girl. I can be vulnerable. I can be strong, too. But I cannot be both at the same time, and I don't want to. Most of the time I'm rather strong, my appearance is strong and I can be just as tough as a boy. I like it to be brave, to do challenges. And I'm not at all passive. If I want something, I fight for it and I don't wait for it to come by itself because this is useless. And I don't want to waste my time with useless things."
Die Klasse ist still. So still, dass man eine Stecknadel fallen hören könnte. "Well, so do you want to say anything about this opinion?" Die Lehrerin ruft ein Mädchen auf, mit dem ich eigentlich nicht viel zu tun habe. "It is right", sagt sie schlicht. Und immer mehr drehen sich zu mir um, weil sie wissen, dass ich diesen Text geschrieben habe. In der folgenden Diskussion bin ich überwältigt davon, wieviele dasselbe denken. "Ich hätte diese Worte nie so formulieren können, aber sie treffen den Kern der Wahrheit", sagt ein Mädchen. Und das bei meinem dürftigen Englisch ... Wieder einmal bin ich beeindruckt, was andere in meinen Worten sehen, was sie aus ihnen machen. Sie verändern Dinge, die ich allein nie verändern könnte.
30. September 2012
GIRLS AND BOYS
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Ein toller Text ist das liebe Layla :)
AntwortenLöschenRecht hast du! Und ich finde dein Englisch überhaupt nicht dürftig.
Alles Liebe,
Marie
Ich muss Marie total recht geben, Layla! Ich hätte das auch nie so formulieren können, aber er stimmt toal. :D
AntwortenLöschenDer Text ist der Wahnsinn!
Liebe Grüße,
Lari