21. September 2012

New beginning

Der schwere Klavierdeckel knackst ein wenig, als ich ihn hochklappe. Zärtlich streiche ich über die betagten, abgenutzten Tasten, die mir mittlerweile so vertraut sind.
Langsam beginne ich zu spielen, zögerlich, einen Ton nach dem anderen, leise und gedämpft. Dann nehme ich den Fuß vom Pedal und beginne mit den vollen Akkorden. Die Musik perlt durch den Raum, erst noch etwas zögerlich, traurige und sehnsuchtsvolle Moll-Klänge. Dann greife ich tief in die Tasten und lausche andächtig der Musik, die ich unfassbarerweise selbst zum Leben erweckt habe. Die wundervollen Töne des Klaviers lassen meine vier einfachen Akkorde klingen wie ein ganzes Orchester, ein Gewitter mit dunklen Wolken und Sturmböen zieht durch den Raum. Die simplen Töne vervierfachen, verzehnfachen sich und ergeben eine wunderschöne Melodie, getragen von Sehnsucht und Melancholie, eine Geschichte, die statt aus Worten aus Tönen besteht. Es mag dein, dass dieses wundervolle Instrument verstimmt ist, schiefe Dissonanzen hervorbringt - aber genau das macht den Reiz daran aus. Das ist die Kunst dieses Klaviers, jede noch so bekannte Melodie erweckt es aufs Neue zum Leben, bringt neue Seiten daran zum Erwachen. Neuanfang. Das ist der Name, der dieses Instrument am besten beschreibt.

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