Freitagmittag, ich steig aus dem Bus aus, Hände in den Manteltaschen, Casper in den Ohren. Los auf den Nachhauseweg, zwei Kilometer durch die Eiseskälte. Meine Laune, die grad eben noch so gut war, sinkt.
Sie läuft neben mir her, redet unaufhörlich wie ein Wasserfall, sinnloses Zeug, egal, Casper übertönt sie. Ich gehe schneller, folge dem Rhythmus der Musik. Sie versucht, mit mir Schritt zu halten. Kämpft einen aussichtslosen Kampf, ich bin viel schneller. Aber dass sie ihn kämpft, macht mich wütend, viel zu wütend. Noch schneller, dann gibt sie auf. Schmerzende Ohren, eiskalte Finger. Ein reißender, sengender Schmerz irgendwo unter meiner Lunge, ich krümme mich zusammen und gehe noch schneller, wie weit denn noch?
Fünf Stunden später, ich bin in Freitagabendslaune. War ich wirklich so schlecht drauf, noch heute mittag? Unvorstellbar. Italienischvokabeln, Staublappen, Papierkorb, egal, es fliegt alles an mir vorbei, ich singe Last Friday Night, den ganzen Nachmittag lang. T.G.I.F, T.G.I.F! Ja, thank God it's Friday, auf heute habe ich mich so sehr gefreut wie auf nichts in letzter Zeit. In weniger als einer Stunde werde ich sie aller wiedersehen, all die, mit denen ich stundenlange Freitagabende zusammen verbracht habe, Lachen, Scherze, Spaß.
Und auch ein bisschen Herzschmerz. Mir fällt auf, dass ich zum ersten Mal seit zwei Jahren das Haus verlasse, ohne dass ich mich um irgendeine Beziehungskiste kümmern muss. Ungewohnt. Aber so entspannend, heute ist der Grund meiner flatternden Sehnsucht ganz woanders. Dieser Abend gehört meinen Freunden.
Die euphorische, aufgekratzte Stimmung bleibt. Als T und ich halb hinter dem Sofa in unserer Partyhütte, dem Haisl, hängen und die Lautsprecherboxen anschließen. Als D die Bar ausräumt und alles gefroren ist außer dem Wodka und dem Rum. Als C sich die Finger verbrennt, weil er zu dumm ist, ein brennendes Holzstück in den Kaminofen zu schieben. Als K und B auf dem Dach der Hütte rumtrampeln und den Schnee, der oben liegt und ins Innere der Hütte zu stürzen droht, K auf den Kopf werfen. Als K, D und ich alle zusammen Gangnam Style tanzen und uns fast auf den Boden schmeißen vor Lachen, weil es keiner von uns auch nur im Entferntesten kann. Als wir alle auf den Sofas sitzen und einfach nur reden, über alles, was uns einfällt. Zwei Mädchen und sechs Jungs. Meine Welt für heute Abend.
Und wieder fällt mir auf, wie gut es ist, endlich wieder zuhause zu sein.
Das mit dem "Haisl" kommt mir so bekannt vor, das klingt so nach unseren Provinzabenden! Ich wollte schon nachfragen, ob du aus meiner näheren Umgebung kommst (naja, München ist jetzt auch nicht soooo weit weg!), weil das alles so ähnlich klingt.
AntwortenLöschenSchreib bitte weiter!