30. November 2013
Attracting my thoughts
Lässig die Kippe im Mundwinkel, du verströmst einen leichten Geruch nach Tabak unter dem Rasierwasserduft. Unwiderstehlich, jede, die riechen kann, muss dir doch unweigerlich verfallen. Du riechst nach Rebellion, ein wenig nach Arroganz. Die Bewegung, mit der du dir nicht vorhandene Haare aus der Stirn fegst, simuliert Sicherheit, ewige Heiterkeit. Deine dunklen Augen blitzen auf, wenn du lachst oder einen deiner ständigen sarkastischen Kommentare von dir gibst. Dein halbes, schiefes Lächeln, das du mir über den Gang zuwirfst, hat etwas von Leichtigkeit. Aber es ist nicht bedeutungslos, nein. Es sagt so viel aus. Die prüfenden Blicke, die du mir mit jedem Wort zuwirfst, fragen mich aus, durchsuchen mich. Was bezweckst du? Ich bezweifle, dass ich es jemals herausfinden werde. Deine intensiven Blicke verunsichern und faszinieren mich gleichzeitig. Ich kann nicht anders, als ebenso durchdringend zurückzustarren. Aber du verwirrst mich. Dich zu sehen, rettet meinen Tag. Aber ist das genug? Denn es ist nicht nur mein Tag, sondern ihrer auch. Schwärmt sie genauso uneingeschränkt von dir? Sie ist so opak, so wenig transparent. Du kennst sie nicht, nur flüchtig. Doch kennst du mich? Deine Augen scheinen mich zu kennen, sie fixieren die meinen wie keine anderen. Du machst mir Angst, und doch faszinierst du mich. Du bist meine tägliche Dosis Adrenalin.
Deine Worte sind der Himmel auf Erden, sie gleichen den meinen wie auf's Haar. Wer bist du? Mein Spiegelbild? Ich dachte, es gäbe niemanden in dieser Welt, der das alles hier versteht. Der mich genauso versteht, wie ich es tue. Aber genau das tust du. Mit jedem Wort, das wir wechseln, habe ich das Gefühl, dich schon immer zu kennen. Du bist so unvorhersehbar. Dein Leben ist so anders. Du bist so anders, viel älter, viel reifer. Zumindest tust du so, aber was ist mit mir? Du gleichst mir so sehr, aber simuliere ich nicht auch nur eine Existenz, die überhaupt nicht da ist? Wovon weiß ich schon etwas? Dir kommen die Worte so leicht über die Lippen, ich muss sie erst suchen. Aber sie fügen sich ohne Murren, die deinigen sind widerspenstig und ungehorsam. Wiegt das alles auf? In der geschriebenen Konversation ja. Aber was ist mit dem wirklichen Leben? Bis jetzt gehörst du nicht dazu, bis hierhin bist du rein virtuell. Aber muss das so bleiben? Kann das so bleiben?
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